Webanwendungen: Wann lohnt es sich, Geld auszugeben?
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Webanwendungen: Wann lohnt es sich, Geld auszugeben?

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Ganz oft höre ich: Ich suche eine Webanwendung, die soll Funktion x, y und z haben. Und bei der Frage nach dem Budget erhalte ich die Antwort: Am besten umsonst.

Ich frag mal ein bisschen ketzerisch: Arbeitest du umsonst? Auch in Softwarefirmen sitzen Menschen, die ein Einkommen benötigen. 😉 Ich will hier aber gar kein moralisches Fass aufmachen. Und ich rate dir auch auf keinen Fall, dein Budget überzustrapazieren.

Was viele Dienstleister:in bei der Entscheidung für Software und Tools vergessen: Auch die Arbeitszeit hat einen Geldwert! Du tauschst immer Geld gegen Zeit. Nur Geld kann man mehr verdienen, Zeit ist endlich.

Wenn beispielsweise eine Designerin mit einem Stundensatz von € 80,- Aufgaben erledigt, die ein Tool oder auch eine andere Person für einen deutlich geringeren Stundensatz erledigen könnten, dann ist das unternehmerisch gesehen keine gute Investition.

Ob eine Investition in eine Webanwendung sich für dich lohnt, kannst du relativ simpel ausrechnen.

Wenn die Kosten für ein Tool niedriger sind, als der finanzielle Gegenwert deiner gesparten Zeit, dann lohnt es sich, zu investieren.

Klingt umständlich? Hier rechne ich es an einem Beispiel durch:

Beispiel: Rechnungsstellung und Buchhaltung

Ausgangssituation: Manuell

Nehmen wir mal an, du machst deine Rechnungsstellung und Buchhaltung weitestgehend manuell. Du schreibst Rechnungen mit Word und musst regelmäßig prüfen, ob sie bezahlt wurden. Wenn nicht, sendest du manuelle Erinnerungs-Emails und Mahnungen. Einmal im Monat sammelst du deine Belege zusammen und sendest sie per Mail oder gar Post an deine Steuerberater:in.

Die ganze Arbeit dauert ca. 3 Stunden im Monat, du selbst hast einen Stundensatz von € 60,- und deine Steuerberaterin kostet dich pro Monat zusätzlich € 80,- Das bedeutet, deine Buchhaltung kostet dich jeden Monat:

👉

€ 60 x 3 + € 80 = € 260,-

Das ist deine Ausgangssituation, daran müssen sich deine Lösungen messen.

Variante 1: Rechnungssoftware

Jemand empfiehlt dir eine Rechnungssoftware, die kostet € 20,- im Monat. Du musst zwar weiter deine Belege sammeln, aber deine Rechnungsstellung und der Zahlungsabgleich geht dir deutlich schneller von der Hand und du sparst jeden Monat 1 Stunde Arbeit. Dann würde die Rechnung so aussehen:

👉

€ 60 x 2 + € 80 + € 20 = € 220,-

Obwohl das Tool € 20,- kostet, hast du insgesamt € 40,- weniger Ausgaben und jeden Monat eine Stunde mehr Zeit zur Verfügung.

Deine Steuerberater:in wird in diesen Beispielrechnungen nicht günstiger, auch wenn sie weniger Buchungen hat. (Meine berechnet nach Jahresumsatz.) Möglicherweise sinken deine Kosten, wenn deine Steuerberater:in per Buchung abrechnet, das musst du im Einzelfall klären.

Variante 2: Mit Zahlungsabwickler

Nun stellst du gerade auf Paketangebote um und hast dich dafür entschieden, einen Zahlungsabwickler einzusetzen. Dieser verlangt (der Einfachheit halber) 10% Provision. Weil der Zahlungsabwickler dir alle 14 Tage dein Guthaben überweist und du selbst weder Rechnungen stellen, noch Zahlungen abgleichen musst, reduzieren sich deine Buchungen auf ein absolutes Minimum. Lediglich deine Ausgaben musst du weiterhin an die Steuerberater:in senden. Du sparst jetzt also schon 2 Stunden Arbeitszeit im Monat. Bei einem monatlichen Umsatz von € 4.000,- und damit € 400,- Provision sieht die Rechnung nun so aus:

👉

€ 60 x 1 + € 80 + € 20 + € 400,- = € 560,-

Puh, das ist ja teurer als vorher! Aber da du deine Paketpreise noch nicht festgelegt hast und ohnehin Zeit für eine Preiserhöhung ist, schlägst du 10% auf deine aktuellen Preise auf. Statt € 4.000,- setzt du jetzt € 4.400,- um:

👉

€ 60 x 1 + € 80 + € 20 + € 440 – € 400 = € 200,-

Im Vergleich zu deiner Ausgangssituation hast du damit zwei Stunden Arbeitszeit im Monat gewonnen und den Luxus, so gut wie keinen Aufwand mit deiner Rechnungsstellung und Buchhaltung zu haben. Und deine Kosten sind um € 60,- geringer als bei komplett manueller Arbeit.

Was meinst du, lohnt sich die Investition?

Du siehst, selbst erstmal hoch erscheinende Kosten können sich lohnen, wenn du deine eigene Arbeitszeit nicht unter den Tisch fallen lässt sondern deren Gegenwert mit in die Rechnung aufnimmst. Ich hoffe, das macht dir in Zukunft die Entscheidung, in deine Tools zu investieren, etwas leichter. 😉

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Tipp: Die selbe Rechnung funktioniert auch bei Outsourcing! Wenn du Aufgaben nicht automatisieren, sondern an andere Dienstleister:innen oder virtuelle Assistent:innen abgeben möchtest, kannst du mit derselben Vorgehensweise berechnen, ob sich die Investition für dich lohnt.

© 2021 - Katrin Herdle